Telekom Austria: Chef immer stärker unter Druck

05.07.2016REUTERS/HEINZ-PETER BADERAlejandro Plater.

Der Druck auf Konzern-Chef Alejandro Plater wird immer stärker. Der Statthalter von America Movil wird nicht nur intern stark kritisiert.

03.07.2016, 06:00

Die Pech- und Pannenserie von Alejandro Plater, Chief Executive Officer der Telekom-Austria-Gruppe, begann vor Weihnachten 2015. Der Holding-Chef kam um fast zwei Stunden zu spät und gab vor versammeltem Management statt einer Weihnachtsansprache via Mikrofon einen unglaublich tiefen, frauenfeindlichen Witz zum Besten (der KURIER berichtete).

Nach einer zweiwöchigen Schrecksekunde entschuldigte sich Plater bei der Belegschaft. Zu spät. Nicht nur die Mitarbeiter waren angewidert. Die heimische Politik war entsetzt (die Republik Österreich hält 28,4 Prozent an der Telekom). Auch die Konzernleitung des Telekom-Mehrheitsaktionärs America Movil (Amex) war gar nicht amused über ihren Statthalter in Österreich. Carlos Moreno, Finanzchef der Mexikaner und Vize-Chef des Telekom-Aufsichtsrates, jettete mit einem Kollegen nach Wien, um sich für Plater zu entschuldigen.

Der Witz war nur der Anfang. Die Spekulationen, dass sich Plater nicht mehr lange als CEO halten kann, verdichten sich. Unternehmensintern und in Aktionärskreisen wird der Unmut über den Argentinier immer heftiger. Plater betreibe „Management by Chaos“, hört man über seinen Führungsstil. Großkunden berichten von unprofessionellen Auftritten.

So wird befürchtet, Plater wolle die Tochter A1 aushöhlen und Kompetenzen sowie Mitarbeiter in die Holding abziehen. Zur Klarstellung: A1 ist das Herzstück und die Cash-Cow der Telekom-Gruppe. 60 Prozent des Geschäftes und 73 Prozent des operativen Gewinns des Konzerns kommen von A1.

Ursprünglich wurde evaluiert, die 600 Mitarbeiter große Einheit ICT (Digital Business) in die Holding abzuziehen. Der Plan wurde laut Telekom-Sprecherin Ingrid Spörk aber nicht weiter verfolgt. Dürfte mit dem erbitterten Widerstand des starken A1-Betriebsratschefs Walter Hotz zusammenhängen. Die Telekom-Gruppe investiere massiv in ihr digitales Portfolio, dafür brauche es die Kooperation der Töchter. Aufgabe der Holding sei die Steuerung. Elisabetta Castiglioni, bis vor Kurzem im Aufsichtsrat der Holding, werde die ICT-Einheit auf Gruppenebene aufbauen, kalmiert Spörk.

Gerüchte, die österreichischen Rechenzentren würden aus Kostengründen ins Ausland verlagert, werden dementiert. Tatsächlich werde in Österreich ein weiteres Zentrum errichtet und in Minsk werde demnächst ein Rechenzentrum fertiggestellt. Fragt sich nur, wie es in einer Diktatur wie Weißrussland um Datenschutz und -sicherheit steht.

Eine heikle Causa beschäftigt die oberste Dienstaufsichtsbehörde für die Telekom-Beamten. Der Leiter der Abteilung „Marketing & Regulatory“ erstattete unter „Rechtsschutzbedürfnis“ Selbstanzeige.

Konkret geht es um einen Zehn-Jahres-Vertrag zwischen der Telekom und dem Konkurrenten T-Mobile mit einem Gesamtvolumen von 300 bis 400 Millionen Euro. T-Mobile will Leistungen von der Telekom beziehen und soll einen „Geschäftsführer-Rabatt“ von 15 Millionen Euro erhalten. Der Beamte hat allerdings schwere wettbewerbsrechtliche Bedenken. Ein Rabatt an einen Anbieter muss kostenmäßig gut begründet sein, sonst müsste die Telekom allen Kunden dieselben Preise einräumen. Andernfalls drohen hohe Strafen durch den Regulator, der dabei keinen Pardon kennt.

Die wichtigsten Eckpunkte des Vertrages hatte Plater persönlich mit T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth ausverhandelt. T-Mobile wurde ziemlich ungeduldig, weil nichts weiterging. Da der Abteilungsleiter aber trotz Drucks von oben bei seinen Bedenken blieb, legte ihm seine Chefin schließlich die Frühpensionierung nahe.

Als Aufsichtsratsvorsitzender der A1 darf sich Plater laut Aktiengesetz gar nicht ins operative Geschäft einmischen. Doch von den österreichischen Gesetzen scheint er ohnehin nicht viel zu halten. Der CEO eines der größten heimischen Unternehmens soll über die permanente Behinderung durch die „fucking laws in Austria“ gelästert haben, erzählen Gesprächspartner.

Vermutlich, um seinen frauenverachtenden Ausrutscher auszubügeln, gibt sich Plater nun betont frauenfreundlich. In seinem neuen Leadership-Team sind drei Managerinnen. In der Presse-Aussendung dazu betreibt Plater peinliche Selbstbeweihräucherung: „Gemessen daran, dass keine einzige Frau im Management war, als ich kam, ist das ein erster Schritt in Richtung Gender Diversity“. Und betont, wie sehr sich das Unternehmen „erfolgreich für Gender Equality engagiert“.

Mit im Leadership-Team ist Margarete Schramböck, seit einem Monat Chefin von A1. Die Bestellung der Spitzenmanagerin verlief nicht friktionsfrei. Nach dem Abgang von Hannes Ametsreiter im Sommer 2015 ließ sich Plater als Aufsichtsrats-Chef mit der Neubesetzung so lange Zeit, bis Finanzminister Hans Jörg Schelling in Mexiko Druck machte. Plater präferierte eine interne Besetzung und versuchte angeblich bis zuletzt, Schramböck zu verhindern. Erst als die Order aus Mexiko kam, stimmte er der Bestellung von Schramböck zu. Die Managerin hatte beim Hearing mit Abstand am besten abgeschnitten. Eh klar, schwache Holding-Chefs holen sich ungern starke Führungskräfte.

Bemerkenswert ist die Neubesetzung der Leitung von „International Regulatory & European Affairs“. Den Job hatte der gegangene Telekom-Personalchef Michael Jungwirth über. Mit 1. September wird Ivo Ivanovksi in diese Position gehievt. Der Mazedonier war in seiner Heimat IT-Minister unter dem nach schweren Korruptionsvorwürfen zurückgetretenen Premier Nikola Gruevski.

Ivanovski steht derzeit auf der Payroll von America Movil. Der im Vorjahr abgetretene Minister hat Protektion von ganz oben. Milliardär Carlos Slim, Boss und Mehrheits-Eigentümer von America Movil, tanzte vor drei Jahren höchstpersönlich bei Ivanovskis Hochzeit an. Seine Karriere und sein Wissen hätten Herrn Ivanovski „zum perfekten Kandidaten“ für die Telekom gemacht, lautet die offizielle Begründung. Alles klar.

Dass sich Plater in Österreich nicht sehr wohlfühlt, ist offensichtlich. Er hält sich , verglichen mit den Topverdienern im Land, auch für schwer unterbezahlt. Im Vorjahr erhielt Plater 582.000 Euro Basisgehalt plus 221.000 Euro variable Vergütung. Der 48-Jährige kam im März 2015 als Vorstand an Bord und ist seit August Vorsitzender.

Bleibt abzuwarten, wie Schelling reagiert. Die Republik hat laut Syndikatsvertrag mit Mexiko das Anrecht auf den CEO. Schelling lässt sich allerdings nicht in die Karten schauen …

(kurier) Erstellt am 03.07.2016, 06:00

 

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